Forderungen eines Kindes an seine Eltern

An dem Wort „Forderung“ hab ich mich anfangs gestoßen, doch sieht man es im Kontext von „Einforderung eines Rechtes“ (Wikipedia), dann macht es Sinn - auf ganzer Linie. So könnte man durchaus auch sagen: Geburtsrechte eines Kindes.

Ein Zettel der nun seit mehr als 25 Jahren in einem meiner (Claudia) Ordner mit der Aufschrift „Besonderes“ abgelegt ist. Bekommen hab ich ihn von einer jungen Kindergarten-Praktikantin, die seiner Zeit in einer Elterninitiative (Kindergarten) ein Praktikum machte, sie war ein sehr feiner Mensch.

Als junge Mutter mit vielen offenen Fragen, war das für mich manches Mal ein hilfreicher Leitfaden.

„Ich wachse so schnell auf und es ist bestimmt schwer für dich, mit mir Schritt zu halten. Aber jeder Tag ist wertvoll an dem du es versuchst.“ Darum geht’s - dran bleiben.

Forderungen eines Kindes an seine Eltern

  1. Verwöhne mich nicht
    Ich weiß genau, dass ich nicht alles bekommen kann. Ich will dich nur auf die Probe stellen.

  2. Sei nicht ängstlich, im Umgang mit mir standhaft zu bleiben
    Mir ist Haltung wichtig, weil ich mich dann sicherer fühle.

  3. Weise mich nicht im Beisein anderer zurecht, wenn es sich vermeiden läßt.
    Ich werde deinen Worten mehr Bedeutung schenken, wenn du zu mir leise und unter vier Augen sprichst.

  4. Sei nicht fassungslos, wenn ich zu dir sage: „Ich hasse Dich!“
    Ich hasse nicht dich, sondern deine Macht, meine Pläne zu durchkreuzen.

  5. Bewahre mich nicht immer vor den Folgen meines Tuns
    Ich muss auch peinliche und schmerzhafte Erfahrungen machen, um innerlich zu reifen.

  6. Meckere nicht ständig
    Ansonsten schütze ich mich dadurch, daß ich mich taub stelle.

  7. Mache keine vorschnellen Versprechungen
    Wenn du dich nicht an deine Versprechungen hältst, fühle ich mich schrecklich im Stich gelassen.

  8. Sei nicht inkonsequent
    Du machst mich unsicher und ich verliere mein Vertrauen zu dir.

  9. Unterbrich mich nicht und höre mir zu, wenn ich Fragen stelle
    Sonst wende ich mich an andere, um dort meine Informationen zu bekommen.

  10. Lache nicht über meine Ängste
    Sie sind erschreckend echt, aber du kannst mir helfen, wenn du versuchst mich ernst zu nehmen.

  11. Denk nicht, dass es unter deiner Würde sei, dich bei mir zu entschuldigen
    Ehrliche Entschuldigungen erwecken bei mir ein Gefühl von Zuneigung und Verständnis.

  12. Versuche nicht, so zu tun als seist du perfekt oder unfehlbar
    Der Schock ist groß, wenn ich herausfinde, dass du es doch nicht bist. Ich wachse so schnell auf und es ist sicher schwer für dich mit mir Schritt zu halten.
    Aber jeder Tag ist wertvoll, an dem du es versuchst.

Gerne würden wir noch einen Punkt hinzufügen:

13. Gib mir Raum und Zeit, um mich und die Welt um mich herum kennenzulernen
Denn dann bin ich besser im Leben verankert.

(Quelle: Lucia Feider, Forderungen eines Kindes an seine Eltern. Entdeckungskiste 1/99, Kindergarten-Fachverlag)

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